Simulation der Ökobilanz / Oekobilanz
Simulation der Ökobilanz
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Modelltheoretische Analyse ökonomischer und ökologischer Auswirkungen
S. Bieletzke
Der Grundlagenteil befaßt sich mit den der Arbeit zugrunde liegenden ökologierelevanten Theorien (Kap. 2), den Aufgaben eines Controlling für ökologische Sachverhalte (Öko-Controlling)[12] auf Grundlage des allgemeinen Controlling (Kap. 3) und der Entwicklung bzw. Beschreibung eines Ökobilanz-Ansatzes, dessen Ergebnisse als Informationsbasis im umweltpolitischen Instrumentarium des Staates verwendet werden können (Kap. 4). Der Hauptteil umschließt die Konkretisierung des Ökobilanz-Ansatzes mit Umweltbelastungspunkten (Kap. 5), die Entwicklung eines darauf aufbauenden Simulationsmodells (Kap. 6) sowie mehrere Simulationsdurchführungen (Kap. 7).
Der Aufbau der Arbeit ist detailliert wie folgt zu beschreiben. Im 2. Kapitel werden auf der Grundlage wirtschaftswissenschaftlicher und interdisziplinärer Theorien ökologierelevante Implikationen für das Öko-Controlling erarbeitet. Insbesondere die Neue Institutionenökonomik und die Systemtheorie erfahren eine eingehende Untersuchung und Interpretation, da sie für die konzeptionellen Überlegungen eine wesentliche Basis darstellen. Aus den Theorien kann normativ abgeleitet werden, das die primäre Funktion des Öko-Controlling in der zielorientierten Koppelung organisatorischer Subsysteme besteht.
Im 3. Kapitel wird das betriebswirtschaftlich-orientierte „allgemeine“ Controlling sowie das Öko-Controlling mit den erarbeiteten Ansprüchen konfrontiert. Fraglich ist, ob umfeld- oder controllingspezifische Mängel eine funktionale, instrumentelle oder institutionale Anpassung der Controlling-Konzepte erfordern. Im Hinblick auf die relevanten Wechselwirkungen zwischen Unternehmen, Umwelt und Staat steht bei der Analyse der Ausgestaltung zunächst nicht die Funktion der betrieblichen, sondern der überbetrieblichen Steuerung- und Lenkung im Vordergrund. Die betrieblich-fokussierten Konzepte des Öko-Controlling sind deshalb ggf. derartig zu modifizieren, daß einheitliche Instrumente zu vergleichbaren Ergebnissen führen und somit die Basis für ein umweltpolitisches Instrument darstellen können, das eine überbetriebliche Koppelung von Teilsystemen ermöglichen kann.
Da das Instrument der Ökobilanz i. S. einer bewerteten Stoff- und Energiebilanz als effiziente Unterstützung für das Öko-Controlling angesehen wird, zielt die Analyse des 4. Kapitels auf das Konzept der Ökobilanz. Dessen Module werden sowohl theoretisch abgegrenzt als auch anhand von ausgewählten Ansätzen vorgestellt. Im Hinblick auf eine betriebsübergreifende Koordination ist fraglich, in welcher Ausprägung das Instrument sowohl interne als auch externe Informationsfunktionen erfüllen kann und als Basis einer umweltpolitischen Steuerung geeignet ist. Letzteres erfordert eine Ausweitung der Betrachtung auf die volkswirtschaftlichen Auswirkungen eines an Ökobilanzen gekoppelten umweltpolitischen Instruments. Hierzu sind zunächst Ordnungsrecht, Steuerrecht und das Modell der Umweltzertifikate im Hinblick auf eine Unterstützung durch Ökobilanzen zu analysieren und anhand der Kriterien der ökonomischen Effizienz, der dynamischen Anreizwirkung und der ökologische Treffsicherheit zu bewerten. Zusätzlich ist der informatorische Ansatz zu untersuchen, der die Möglichkeit zur Kommunikation einer ökologischen Belastung durch ein Label bietet. Der Vergleich der Instrumente wird zeigen, daß der informatorische Ansatz als ausbaufähige Basis dienen kann. Auch aufgrund der Akzeptanzproblematik, die die Neue Politische Ökonomie impliziert, und weil das Wissen über die Konsequenzen des eigenen Umweltverhaltens als die conditio sine qua non der Ökologisierung desselben anzusehen ist,[13] wird im Rahmen dieser Arbeit das informatorische Instrument priorisiert, das in der Ausgestaltung mit einem Label[14] analysiert werden soll.
Im Hauptteil „Simulation“ wird im 5. Kapitel der als problemadäquat angesehene Ansatz des informatorischen Labels mit eindimensionalen Umweltbelastungspunkten (UBP) aufgegriffen. Der Ansatz soll die Koppelung der Subsysteme Betrieb, Staat, Gesellschaft, Naturwissenschaft, Markt und Politik bei kleinstmöglichen staatlichen Einflüssen gewährleisten. Wenn einheitliche Bewertungsrichtlinien auf der Basis von Soll- und Ist-Belastungen im politischen bzw. naturwissenschaftlichen Subsystem ermittelt werden, so könnten produktspezifische Umweltbelastungen durch die Unternehmen ermittelt bzw. bewertet werden und gem. staatlicher Vorgaben zu publizieren sein. Dies ermöglicht in der marktlichen Sphäre den Konsumenten die Beurteilung des Produktes aus ökologischer Sicht. Der UBP-Ansatz wird deshalb unter besonderer Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen den Subsystemen und der Problematik des umweltbewußten Kaufverhaltens zu konkretisieren sein. Verfahrensablauf, Bewertungsmethodik und Zuständigkeit des Ansatzes werden festzulegen sein.
Da das zu entwickelnde Simulationsmodell der Konstruktion wohldefinierter Zusammenhänge bedarf, sind im 6. Kapitel relevante Modellelemente, Wirkungsbeziehungen und deren Richtungen zu identifizieren, für unternehmensexterne und -interne Sphären spezifisch zu entwickeln und formal zu dokumentieren. Dabei wird die für Formeln und Graphen nutzbare Notation von System Dynamics verwendet. Das Ziel der Simulation besteht in der Analyse der ökonomischen Ergebnisse der modellierten Unternehmen, die exogen mit dem UBP-Ansatz konfrontiert werden. Somit sind unterschiedliche Unternehmensstrategien und deren Auswirkungen auf innerbetriebliche Sachverhalte und auch unterschiedliche Reaktionen der Konsumenten zu berücksichtigen. Der Fokus der Simulation liegt somit auf betriebwirtschaftlich-marktlichen Fragestellungen.
Fraglich bei der Dokumentation der exemplarischen Simulationsdurchführungen im 7. Kapitel ist zum einen, ob der UBP-Ansatz zu einer Nachfrageverschiebung in Richtung weniger umweltbelastender Produkte führt und zum anderen, welche der modellierten Unternehmensstrategien unter langfristiger Berücksichtigung der Marktdynamik ökonomisch vorteilhaft ist. Hierbei wird ein oligopolistischer Markt verwendet, auf dem fünf Unternehmen mit unterschiedlichen Umweltstrategien und sieben Konsumentengruppen mit unterschiedlichem Umweltverhalten aufeinandertreffen. Sensitivitätsanalysen haben letztlich den modellhaften Einfluß der Variation von Startparametern, wie Umweltbewußtsein oder Investitionsvolumen, auf die ökonomischen Ergebnisse der Modellunternehmen aufzuzeigen.
Obgleich bei der Simulationsdurchführung soweit wie möglich auf empirische Daten zurückgegriffen wird, kann die Modellstruktur und die Datenbasis nur zu exemplarischen Szenarioanalysen führen. Indes dürfte die transparente Dokumentation und die Offenheit des Modells eine Anpassung an differenzierte gesamtwirtschaftliche Situationen und insbesondere an Unternehmensspezifika ermöglichen, so daß eine Ableitung von betrieblichen Umweltentscheidungen unterstützt werden kann